Das verzwickte Zusammenspiel von Kapitalismus, Hippiekultur und Innovation: Stanford University, genannt „Die Farm“

Der Deutschlandfunk berichtet über Geschichte und Akteure der Universität an der Westküste

Eine Lange Nacht über die Stanford University"Die Luft der Freiheit weht"

Stanford: Mit diesem Namen verbinden viele vor allem die Universität im Silicon Valley - jenem zwischenzeitlich beinahe mythischen Ort südlich der San Francisco Bay, an dem die großen Technologie-Firmen dieser Welt ihren Sitz haben.

Von Fabian Goppelsröder

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Die Stanford Universität in Kalifornien. (picture alliance / dpa / Udo Bernhart)
Die Stanford Universität in Kalifornien (picture alliance / dpa / Udo Bernhart)
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Geisteswissenschaften in Stanford Im Schatten der Ingenieure

Das kleine Städtchen Palo Alto, an das der Campus grenzt, kann als das geografische Eingangstor ins Tal der Halbleitertechnologie bezeichnet werden - und Stanford selbst als die wissenschaftlich-intellektuelle Quelle, ohne die die beeindruckende Entwicklung der Region über die letzten 50 Jahre in der Tat kaum möglich gewesen wäre.

Dabei entspricht der "Farm" genannte Campus mit seinen Beaux-Arts-Gebäuden, den an kalifornische Missionsstationen erinnernden Arkadengängen aus gelbem Sandstein und den roten Dächern so gar nicht dem Bild heutiger IT-Headquarter-Architektur. Auch das im Siegel Stanfords fixierte deutsche Motto der Universität "Die Luft der Freiheit weht" verweist auf die Humboldt’sche Forderung von Lehr- und Lernfreiheit, welche die Gründer Stanfords zu realisieren suchten.

Ein alteuropäischer Impuls, könnte man sagen, steht somit am Beginn derjenigen Universtät, die heute wie kaum eine zweite für das Neue der Neuen Welt steht und die doch eine Institution zwischen Humboldt und Silicon Valley bleibt.

David Starr Jordan, der erste Präsident der Universität, in einem Brief von 1913

"Diese Arkadengänge aus gelbem Sandstein ergeben zusammen mit den roten Ziegeldächern vor azurblauem Himmel ein Bild, das man nicht mehr vergisst, und das an sich schon als integraler Bestandteil des besonderen Stanford Bildungserlebnisses betrachtet werden muss."

Gemäß dem Ideal Wilhelm von Humboldts, in der Universität Forschung und Lehre zu verbinden, sollte auch Stanford kein Liberal Arts College, keine bloße akademische Schule sein, wie sie sich in den USA um 1900 etabliert hatten. Hier sollte Wissen generiert, nicht nur vermittelt werden. Ein alteuropäischer Impuls, könnte man sagen, steht somit am Beginn derjenigen Universität, die heute wie kaum eine zweite für das Neue der ‚Neuen Welt‘ steht und die doch eine Institution zwischen Humboldt und Silicon Valley bleibt. In den drei Stunden dieser Langen Nacht wollen wir Sie mitnehmen auf eine Reise in die Geschichte der Stanford University; einer Geschichte zwischen Alteuropa und Neuer Welt, zwischen Nationalbewusstsein und Weltoffenheit, humanistischem Bildungsanspruch und Start-up-Kultur des 21. Jahrhunderts.

David Starr Jordan (* 19. Januar 1851 im Wyoming County, New York; † 19. September 1931 in Stanford, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Zoologe, Ichthyologe, Botaniker, Eugeniker und Friedensaktivist. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet "D.S.Jord.". Weiterlesen bei Wikipedia 

Die Leland Stanford Junior University (kurz Stanford University oder Stanford, Spitzname "Die Farm") ist eine private US-amerikanische Universität in Stanford, Kalifornien. Sie liegt etwa 60 Kilometer südöstlich von San Francisco in der Nähe von Palo Alto und wurde von Leland Stanford und seiner Ehefrau Jane Stanford im Jahr 1891 im Andenken an ihren früh verstorbenen, einzigen Sohn gegründet. Derzeit sind 16.122 Studenten an der Universität eingeschrieben und studieren an einer der sieben Fakultäten. Weiterlesen bei Wikipedia 

Warum das Silicon Valley konkurrenzlos bleibt und deutsche Unis Exzellenz vergessen können, erklärt Stanford-Präsident John Henness. Nachlesen in DIE ZEIT

A History of Stanford. Nachlesen (englisch)

Ende des 19. Jahrhunderts waren private Hochschulen noch kein "Business Model"

… und Stanfords Vorhaben schien ganz besonders ungeeignet, ein ökonomischer Erfolg zu werden: Lehrkräfte ließen sich nur schwer für den freiwilligen Gang ins akademische Exil am westlichsten Ende der Welt gewinnen. Für Studenten schien der Abschluss an der neuen Universität verglichen mit Diplomen aus Princeton, Yale oder gar Harvard wenig attraktiv. Zugleich verlangte der Bau des Campus massiv Investitionen. Unternehmerisch war das Projekt ein großes Risiko, um nicht zu sagen ein Himmelfahrtskommando. Hinzu kam, dass es mit der University of California, Berkeley, nur wenige Kilometer östlich von San Francisco, bereits eine etablierte Universität in dieser Wildnis gab. Und doch sollte das Projekt für Leland und Jane Stanford zu ihrem Vermächtnis werden – und zum Vermächtnis ihres Sohnes.

Hans Ulrich Gumbrecht, ein Kenner von Stanford's Geschichten und Mythen

Als gebürtiger Würzburger und Kind der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit hat sich Hans Ulrich Gumbrecht seit seiner Berufung 1989 auf den Lehrstuhl für Komparatistik in Stanford zum bekanntesten Gesicht der Universität in Deutschland und zum Kenner ihrer Geschichten und Mythen entwickelt.

"Jane Stanford wurde das ein- und erste mal schwanger mit 43 Jahren; also im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts und dieser Sohn wurde geboren, naja und war schon der Kronprinz auch, und war offenbar ein aufgeweckter junger Mann, man weiß es nicht, ist vielleicht Mythologie, jedenfalls als er 16 war hat man ihn, das ist typisch, auf eine Bildungsreise nach Europa geschickt. Er sollte eben Rom gesehen haben und Florenz gesehen haben und Istanbul gesehen haben, sie waren auch in Bad Kissingen in Deutschland und in Berlin, das sollte er gesehen haben. Und er hat sich in Istanbul mit Typhus infiziert und ist dann in Florenz gestorben. Und es ist tragisch und nicht tragikomisch wirklich, dass diese Bildungsprojektion – der Sohn soll sehen können und soll die Bildung haben, die wir nicht haben konnten, damit er dann das Kapital besser vermehrt – dass die zu diesem Todesfall geführt hat. Und daraufhin waren die Eltern natürlich verzweifelt und sind in Paris in spiritistische Zirkel eingetreten, um mit dem Sohn in Kontakt zu treten. Und ich sag jetzt ironisch: das ist gelungen; also der Sohn sprach aus dem Jenseits und dann haben sie gesagt: ‚Dear son, what shall we do in your memory?‘ und der Leland Stanford Junior sagte: ‚I want you to found a university for poor children.‘ Und er hat nicht gesagt ‚boys‘, vielleicht aus Zufall, also er hat natürlich sowieso nichts gesagt, aber sie haben sich genau daran gehalten: weil er gesagt hat ‚poor children’ war Stanford erstens eine der ersten Universitäten im Land, die co-ed waren, also Mädchen und Jungen aufgenommen haben, und zweitens, solange es sich die Universität leisten konnte, das war nicht sehr lang, völlig tuition free. Es gab überhaupt keine Studiengebühren, auch room and board."

Hans Ulrich Gumbrecht (* 15. Juni 1948 in Würzburg) ist ein deutsch-amerikanischer Romanist, Literaturwissenschaftler und Literaturhistoriker, Hochschullehrer und Publizist. Er ist Inhaber des Lehrstuhls Komparatistik an der Stanford University und ständiger Gastprofessor an der Université de Montréal, am Collège de France sowie an der Zeppelin Universität Friedrichshafen. Mit seinen Beiträgen in der Presse hat er zahlreiche Debatten lanciert. Weiterlesen bei Wikipedia

Hans Ulrich Gumbrecht, PhD auf der Website des Europe Center - Stanford University

Humboldtexperte Jürgen Trabant, selbst mehrfach Gastprofessor in Stanford

"Der Gelehrte oder Forscher forscht, aber zusammen mit den forschenden Studenten, die sind eben auch Forscher. Die sind eben keine Schüler, das ist ganz wichtig. Der Unterschied zwischen Schule und Universität ist ja bei Humboldt ganz stark, nicht, die Schule ist die Institution, die fertiges Wissen vermittelt; die Universität ist die Institution, in der Wissen überhaupt erst produziert wird. Also das gemeinsame Generieren von Wissen ist der Kern der Humboldt’schen Universität."

Jürgen Trabant ist Professor emeritus für Romanische Philologie. Er ist derzeit Mitglied der Forschergruppe Symbolische Artikulation. Sprache und Bild zwischen Handlung und Schema (VolkswagenStiftung) an der Humboldt-Universität zu Berlin. Mehr auf seiner Website

Gerhard Casper, in seiner Inaugurationsrede von 1992  

In seiner Inaugurationsrede von 1992 spekulierte Gerhard Casper, dass der Board of Trustees ihn lediglich deshalb zum neunten Präsidenten der Stanford University.

Der Humboldtexperte Jürgen Trabant, selbst mehrfach Gastprofessor in Stanford: "Der Gelehrte oder Forscher forscht, aber zusammen mit den forschenden Studenten, die sind eben auch Forscher. Die sind eben keine Schüler, das ist ganz wichtig. Der Unterschied zwischen Schule und Universität ist ja bei Humboldt ganz stark, nicht, die Schule ist die Institution, die fertiges Wissen vermittelt; die Universität ist die Institution, in der Wissen überhaupt erst produziert wird. Also das gemeinsame Generieren von Wissen ist der Kern der Humboldt’schen Universität" Das Problem sei allerdings, dass Hutten seine Invektiven gar nicht auf Deutsch, sondern auf Latein geschrieben habe."

Casper ging der Geschichte von Jordans Leitsatz nach und schrieb darüber 1995 einen Aufsatz, in dem er eine improvisierte Founders’ Day address des damals bereits emeritierten Jordan von 1917 zitiert:

"Im Zusammenhang einer meiner frühen Reden hatte ich die Gelegenheit, Ulrich von Hutten zu zitieren, als dieser sich für den verfolgten Luther stark machte. ‚Wissen Sie nicht, dass die Luft der Freiheit weht?‘ Dieses Zitat gefiel Mr. Stanford und es gefiel der versammelten Professorenschaft und irgendwie gelangte ‚Die Luft der Freiheit weht‘ so auf das Siegel der Universität dieser Tage."

A lifelong leader in academia and an esteemed scholar of constitutional law, Gerhard Casper served as Stanford University’s president from 1992-2000. During that time, his commitment to excellence in both undergraduate and graduate education resulted in a number of major initiatives. A decorated academic, Professor Casper holds honorary doctorates from Yale and Uppsala Universities, Bard College, and the Central European University. Weiterlesen 

Gerhard Casper (* 25. Dezember 1937 in Hamburg) ist ein deutscher Verfassungsjurist und Jura-Professor. Casper war von 1992 bis 2000 Präsident der kalifornischen Stanford University und ist seit Juli 2015 Präsident der American Academy in Berlin. Mehr bei Wikipedia

Deutsche Kultur und Humboldt’scher Bildungsgedanke

Jordans Bewunderung für die deutsche Kultur und den Humboldt’schen Bildungsgedanken ließen ihn besonders suspekt erscheinen. Tatsächlich aber war sein Pazifismus keineswegs durch eine pro-deutsche Haltung motiviert. Sein Argument gegen den Krieg fußte vielmehr auf biologistischen Überlegungen: Die Menschheit, meinte Jordan, könne es sich nicht erlauben, die stärksten und besten Männer durch Kriege aus ihrem Genpool zu entfernen. Der Ichthyologe und Darwinist hatte 1907 aus seinen wissenschaftlichen Einsichten und Überzeugungen eine Philosophie der positiven Selektion menschlichen Erbguts geformt.

David Starr Jordan: "Wie lange wird die Republik bestehen? So lange wie die Ideen ihrer Gründerväter dominieren. Wie lange werden diese Ideen dominieren? Gerade so lange wie das Blut der Gründerväter im Blut ihres Volkes dominiert. Nicht das Blut von Puritanern und Virginiern allein, den eigentlichen Gründern freier Staaten, sondern das Blut frei geborener Männer überhaupt, seien es Griechen, Römer, Franken, Sachsen, Normannen, Dänen, Kelten, Schotten, Gothen oder aber Samurai. Es ist der Vorrat an solch freiem Blut, der eine freie Nation möglich macht. Unsere Republik wird so lange bestehen wie ihre menschlich-genetische Ernte gut ist, so lange die Geschichte, der Fortschritt in den Wissenschaften und der Industrie das Beste und nicht das Schlechteste jeder einzelnen Generation zu sichern in der Lage ist."

Die Freiheit von Forschung und Lehre

Forschung und Lehre sollten frei sein – doch nur so weit als die gewonnenen Erkenntnisse dem ganz konkreten Fortschritt dienten. In dieser Hinsicht war man sich im Nachkriegsamerika weitgehend einig. Die Ansicht, dass…:

"…Wissenschaft nützlich, wenn nicht gar grundlegend für industriellen Fortschritt sei, dass aber direkte Einmischung des Staates in die Förderung und Koordination akademischer Projekte unangemessen sei, wurde die dominante Sicht nach Ende des 1. Weltkriegs. Zugleich wurden Befürworter einer aktiveren Rolle des Staates durch den konservativen ‚Backlash‘ gegen reale oder nur imaginierte Sozialisten und Radikale wirkungsvoll in die Ecke gedrängt. In diesem Klima arbeiteten die Führer der wissenschaftlichen, industriellen und philanthropischen Vereinigungen effizient daran, private Wissenschaftsförderung sowohl zu feiern als auch zu pushen."

Tatsächlich wurden auch in Stanford neben den Studiengebühren weitere Möglichkeiten zur Finanzierung des Universitätsbetriebs ausprobiert, darunter eine, die bis dato an diesem Ort keine Rolle gespielt hatte, heutzutage allerdings eine Art Markenzeichen der Hochschule geworden ist: die systematischen, auf hohe Ziele ausgerichteten Spendenkampagnen, sogenannte 'Fundraisers'.

Die Geschichte weißer Männer

Schaut man auf die Geschichte Stanfords von seinen Anfängen bis in die Jahre nach dem 2. Weltkrieg, so ist das in hohem Maße die Geschichte weißer Männer: Von Leland Stanford und David Starr Jordan zu Hoover, Wilbur, Tresidder und Terman. Die Reihe ließe sich ergänzen. Abgesehen von Jane Stanford findet sich in ihr praktisch keine Frau. Die zu Beginn durchaus spektakuläre Entscheidung, Co-ed zu unterrichten, an der neuen Universität Männern und Frauen das Studium zu ermöglichen, wurde durch die Beschränkung der Zahl weiblicher Studenten bald relativiert. Afro-amerikanische Studierende gab es in Stanford lange Zeit wenig. Erst durch den Zustrom ehemaliger Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg, die dank der sogenannten GI-Bill keine Studiengebühren zahlen mussten, änderte sich das. Und trotzdem führt, so scheint es, eine direkte Linie von den einflussreichen Gentlemen-Clubs Hoovers, dem "Bohemian-" und dem "Fishing Club", zum Image Stanfords als einer Hochschule für die weiße Oberschicht. Eine Universität, die sich konservativ, elitär und staatstragend gebärdet. Der von Rebecca Lowen verwendete Begriff der "Cold War University" passt da ins Schema. Stanford als die Universität der ‚Hoover Institution’, der politisch eher rechten Denker; als die Hochschule, die für den militärischen Komplex mit Einrichtungen wie dem SRI, dem "Stanford Research Institute", kriegsrelevante Forschung betreibt, wie es die ‚68er anprangerten. Doch gibt es auch eine andere Erzählung, eine andere Geschichte dieser Institution seit dem 2. Weltkrieg. Eine Geschichte, in der die relative Provinzialität der Westküste zu einer besonderen Form von Weltoffenheit führt und Alternativkultur zum Ausgangspunkt des Sneaker-Kapitalismus im Silicon Valley wird; eine Geschichte, in der der Humboldt’sche Gedanke durch die Entwicklung zur gerade in den IT-Fächern exzellierenden Eliteuniversität modifiziert und für das 21. Jahrhundert bewahrt wird.

Der erste Auslandscampus Stanfords

1958 lancierte die Universität ein in seiner Art bis heute besonderes Programm, das ihrer Ausrichtung auf nationale, patriotische Aufgaben zunächst eher entgegen zu stehen scheint: Im schwäbischen Beutelsbach, gute 20 Autominuten von der Baden-Württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart entfernt, eröffnete der erste Auslandscampus Stanfords. Das auf einem Weinberg oberhalb des Örtchens gelegene Landgut scheint in der Rückschau eine überraschende Wahl. Die mittlerweile mehr als zehn Campi weltweit sind heute vornehmlich in Haupt- und Großstädten gelegen. Neben Madrid, Paris und Istanbul können Stanforder Studenten für zwei Auslandstrimester ihrer Wahl auch nach Hongkong, Kapstadt oder Santiago de Chile gehen. Begonnen aber hat diese Weltläufigkeit in der südwestdeutschen Provinz. Das heutige Hotel und Restaurant "Landgut Burg" erinnert mit einem ‚Haus Stanford‘ immer noch an diese Phase seiner Geschichte, in der zwischen 1958 und 1974 pro Trimester 80 amerikanische Studenten einen durchaus exotischen Akzent im beschaulichen Remstal setzten. Untergebracht in Gastfamilien im Dorf sind sie in der Erinnerung der älteren Bewohner Beutelsbachs auch heute noch präsent.

Neben den Zufälligkeiten aber scheint die Entscheidung für Beutelsbach auch ganz bewusst eine Entscheidung für die Provinz gewesen zu sein. Tours und Florenz, die Auslandscampi zwei und drei, waren ebenfalls keine Großstädte. Die erste österreichische Zweigstelle fand sich in Semmering, um 1900 Sommerfrische der betuchten Wiener, und die Studenten wohnten hier, fernab jeglicher Urbanität, im insolventen Grand Hotel Panhans. 

Frühe 1950er Jahre: Studenten der Stanford University geben Bücherspenden an die Bibliothek der gerade gegründeten Freien Universität Berlin. Stanford etabliert als erste Universität ein Direktaustausch-Stipendium an der F.U.  Die Freie Universität bleibt ein wichtiger Partner.
1958: Stanford eröffnet den ersten Campus in Übersee in Beutelsbach/Baden Württemberg. Dies wird der Eckstein eines im Verlauf der folgenden Jahrzehnte immer weiter  ausgebauten Netzes von Studienzentren der Stanford University ausserhalb der USA, dem Stanford Overseas Studies Program. Weiterlesen

Berlin

Karen Kramer, Direktorin des 1975 schließlich doch nach Berlin umgezogenen  deutschen Campus setzt die anfängliche Entscheidung für die Provinz durchaus in Beziehung zu Stanfords besonderem Charakter:

"Ja, warum ist das? Also, ich glaube, es passt zum Teil zu dem Bild, das Stanford von sich hatte. Stanford ist auch‚'ländlich' ist das falsche Wort, aber, jetzt gibt es das ganze Valley, das gab’s nicht immer. Stanford war eine Pferdefarm die Städte sind vielleicht, ich weiß es nicht, sind vielleicht ein bisschen suspekt gewesen, vielleicht hätten Eltern Angst gehabt, ihre Kinder in Städte zu schicken, ich nehme an, es war einfach so ein Bild von Old Europe, ja, Old Germany". Es ist ein ziemlich ausgefallenes Programm, ich kenne natürlich nicht alle Programme von allen Universitäten, aber diese, ich hasse dieses Wort eigentlich ‚Eliteuniversität‘, das ist ständig, in Deutschland sprechen alle von Eliteuniversitäten, in den USA spricht man nicht von Eliteuniversitäten, sondern große Forschungsuniversitäten, private Universitäten, also: eine solche Universität hat in der Regel nicht ein solches Programm von diesem Ausmaß und in dieser Art. Es gibt viele gute Programme und die sind meistens, nicht immer, meistens eingebettet in ‚area studies‘, Abteilungen von ausländischen Universitäten. Die Romanisten gehen dann nach Italien oder nach Paris oder was immer. Und Stanford hat das immer anders gemacht."

Dr. Karen Ruoff Kramer, Director: I've been the Director here since 1980 and teach "Contemporary Theater", "Culture and Politics in Modern Germany", "Split Images: A Century of Cinema". Weiterlesen

2000: Stanford erwirbt Haus Cramer vom Senat von Berlin. Ermöglicht wird dies durch die Großzügigkeit und das zukunftsgerichtete Denken eines Berliner Alumnus der Stanford University,  Hans George Will. Die Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur und das Berliner Abgeordnetenhaus geben dem Erwerb ihre Zustimmung und Unterstützung, und der Präsident  der Stanford University, Prof. Gerhard Casper,  der Direktor von Stanford Overseas Studies, Prof. Russell Berman, und die Direktorin von Stanford in Berlin, Dr. Karen Kramer, bereiten den Weg und engagieren sich ebenfalls dafür. Weiterlesen

Vertiefung der Studienaufenthalte in Berlin 

Wolf-Dietrich Junghanns: "Na wir haben jetzt inzwischen 1280 Studenten im Programm gehabt, die ungefähr 1330 Praktika absolviert haben. Der Unterschied kommt dadurch zustande, dass manche Studenten ein zweites Praktikum absolviert haben, also denen gefällt es so gut, dass sie dann nochmal zurückkommen, ein Jahr später, oder sie machen gleich zwei Praktika hintereinander."

Wolf-Dietrich Junghanns, verantwortlich für die Vermittlung und Organisation der "Internships" beschreibt das Programm als Vertiefung der Studienaufenthalte in Berlin: "Das Ziel ist ein tieferes Eindringen in die deutsche Sprache und Kultur. Also wir haben sehr gute Sprachkurse, aber im wirklichen Leben ne Sprache zu lernen und anzuwenden, das ist noch was ganz anderes. Das Studienprogramm muss akademisch anspruchsvoll sein und lässt jetzt nicht so sehr viel Zeit für das individuelle Kennenlernen. Also da ist schon Zeit, wir versuchen das auch durch Kurse zu unterstützen, also Theaterkurse, Filmkurse, Sportkulturkurse und Ähnliches. Aber im Praktikum oder als Praktikant in Deutschland leben, also in einem andern Land, ist schon noch was anderes. Also ich weiß, wir hatten mal einen Studenten, der war auf der Laufbahn ‚diplomatischer Dienst‘ und der wollte nichts verkehrt machen und hat mehrere Bücher gelesen, wie vermeide ich Kulturschock. Das wäre jetzt nicht meine Empfehlung, sondern man soll sich schon selber auch nen Kulturschock verschaffen, um selber ne Erfahrung zu machen, also ne tiefe Erfahrung."

In den 1960ern durchlebte das Programm eine Hochzeit

Die Rückkehrer brachten aus dem Ausland nicht allein vertieftes Wissen alteuropäischer Geschichte und Kultur mit in die "Bay Area". Was die Studierenden während ihrer zwei Trimester an den Dependencen in Italien, Frankreich oder Deutschland erfahren hatten, führte auch zu Veränderungen des Alltags in der Heimat. Karen Kramer erinnert sich, wie sie nach zwei Jahren Absenz 1969 für ein Quartal zurück auf den Campus kam:

"Es hat sich alles verändert. In den kleinsten banalsten Weisen. Als ich an der Uni anfing - die Frauen und Männer lebten völlig getrennt in anderen Wohnhäusern. Das ist nicht mehr der Fall. Und wir mussten jeden Abend, nach dem Abendessen, wenn wir irgendwo in die Bibliothek gehen wollten oder so, mussten wir einschreiben, wo wir hingehen. Und wir mussten um zehn Uhr wieder da sein. Und es war alles unglaublich geordnet. Und streng geordnet. Im zweiten Jahr war das ein bisschen lockerer, im dritten noch n bisschen lockerer, aber  wirklich locker wäre es nicht geworden, wäre es nicht für diese Studentenbewegung. Und auf einmal, im dritten oder vierten Jahr von meinem Lehrgang haben die einfach alle Regeln aufgegeben. Ja, wir waren dann auf einmal auch freie Menschen und konnten alles machen, was wir wollten. Ist auch bestimmt sehr wild geworden, zum Teil, nach meiner Zeit. Inzwischen engt sich das, glaube ich, wieder ein, weil die Zeiten sich einfach wirklich ändern."

Ist Stanford heute eine Lifestyle Universität?

Die Literaturkritikerin Mara Delius hat Mitte der Nullerjahre unseres Jahrhunderts in Stanford studiert und die Veränderung der ‚Farm‘ hin zu einer Art Robinson Club für Intellektuelle miterlebt:

"Also so lifestylemäßig fand ich’s dann nicht, wobei das Bild schon irgendwie stimmt. Ich weiß noch, ne Bekannte von mir guckte sich Bilder von Stanford an und meinte: ‚Ach, interessant, fühlst du dich da denn wohl, das wirkt doch so wie’n…‘, wie hat sie’s formuliert, ‚wie so’n Golfclub für rich kids, so n bisschen.‘ Auch dass man da manchmal rumfuhr mit diesen Golfcarts. Aber für mich war Stanford auch allein diese wunderbare Bibliothek, die Möglichkeit, sich so total zurückzuziehen in dieser extrem eigentlich paradox, ja, Rückzug, aber ne extrem konzentrierte Atmosphäre. Auch dass du wusstest, dass auch nachts um 2 in der Bibliothek irgendwelche emsigen Undergraduates da sitzen und lesen und lernen."

Trotz der Veränderungen wie wie der enormen Beschleunigung des Lebens auf dem Campus bleibt Stanford eine sich ihrer Tradition bewusste Universität.

Hans-Ulrich Gumbrecht: "Man kann das gut oder schlecht finden, aber das Zentrum der industriellen und technologischen Kreativität ist in Silicon Valley und es ist in Silicon Valley, weil Stanford in Silicon Valley ist. Ja, also Silicon Valley ist aus Stanford entstanden und lebt bis heute in einer Osmose mit Stanford. Aber jetzt, also zum Trost für die Geisteswissenschaftler erzähl ich Ihnen und ende mit der folgenden Anekdote: Vor etwas weniger als zehn Jahren, wie meine Schwiegermutter gesagt hätte, die hat den Ausdruck ‚trat heran‘ sehr gern gehabt, trat das Computer Science Department in Stanford an die Literature Departments heran; wir fühlten uns also ganz geehrt, die wollten was von uns, und haben gefragt, ob wir einen gemeinsamen major/minor machen können. Also die Leute, die im College Schwerpunkt Computer Science wählen, machen als zweiten Schwerpunkt eine Literatur. Deutsche Literatur, italienische Literatur, afrikanische Literatur oder Comparative Literatur, was mein Fach ist. Ja und, wir haben dann darüber abgestimmt und meine Kollegen fühlten sich also ungeheuer geehrt über diesen Antrag des Computer Science Departments und ich war der einzige Skeptiker, ich hab mich enthalten, weil ich gedacht habe, das wird uns jetzt in den schönen kleinen Vorgarten von Computer Science verweisen, zur Entspannung lesen die dann auch mal einen literarischen Text. So ‚here I stand corrected‘, wie man in Englisch sagt, das ist sehr, sehr erfolgreich, das Programm, und hat uns eine neue Art von Intelligenz und produktiver Intelligenz in unsere Seminare gebracht. Unsere Kollegen von Computer Science sind begeistert darüber, sagen, das sind nicht die höchsten Enrollments, also viele Studenten machen das, aber sie sagen die Elite, die besten in Computer Science, Electrical Engineering oder Symbolic Systems, das sind die drei Majors, die mit Computer zu tun haben, die machen dieses Programm mit euch. Und wenn man jetzt diese Studenten fragt, die ja jetzt plötzlich auch meine Studenten geworden sind, in meinen Seminaren waren, und fragt die, warum macht ihr das, dann sagen die, weil es uns zu besseren Programmierern macht, also auf Englisch gesagt: ‚it helps us writing code better.‘ Aus einzelnen Fällen, wo ich independent reading mit den Studenten gemacht habe, ist mir das sehr plausibel geworden, dass es sie wirklich zu besseren Computer Scientists macht und Programmers macht, und es hat uns und mir ne ganz neue Art von Intelligenz, die Konfrontation mit einer ganz neuen Art von Intelligenz eingebracht und hat vielleicht in einer Weise, die eigentlich heute nur in Silicon Valley oder in Stanford denkbar ist, nämlich eben nicht in Berkeley oder in Harvard oder in Yale, den Humboldt’schen Gedanken ins 21. Jahrhundert gebracht. Nicht, das sind heute vielleicht gar nicht mehr die Naturwissenschaftler, sondern die Leute, die Artificial Intelligence produzieren, und wenn die Hegel lesen wollen oder Nietzsche oder god forbid Heidegger oder Rorty, das hat Konsequenzen heute."

Stanford, eine Vorzeigeinstitution des amerikanischen Wissenschaftssystems

Die kalifornische Stanford Universität hat sich das akademische Reformprojekt und Mausoleum zur Vorzeigeinstitution des amerikanischen Wissenschaftssystems gewandelt. Leland Stanfords Farm wurde zur mit staatlichen Einrichtungen eng verknüpften "Cold War University" und nicht zuletzt deswegen 68 zum Schauplatz heftiger studentischer Proteste; aus der lokalen Mischung von akademischer Elite, Unternehmergeist und hippieeskem Nonkonformismus entwickelte sich so die start-up-Kultur unserer Zeit. Als intellektuelles Zentrum des Silicon Valley ist Stanford Motor jener Industrie, welche den Alltag von Milliarden Menschen heute wie keine andere verändert: der IT-Industrie mit ihren wichtigsten Vertretern Apple, Google oder Facebook.

Wie geht diese Geschichte weiter? Kann Stanford Beispiel sein, für eine zeitgemäße Aktualisierung der Humboldt’schen Universität? Oder weist es eher auf deren endgültiges Ende?

Wahrscheinlich braucht es zur Beantwortung der Fragen noch ein paar Jahre Zeit.

Roboter reden ein Wörtchen mit

Was sagt denn der Grammatik-Papst, Duden-Revisor, TU- und UdK-Urgestein Peter Eisenberg dazu:

Sprachwandel durch intelligente Maschinen?

In dieser Woche ist der neue Rechtschreibduden erschienen. Einen Tag zuvor war der Verkaufsstart von Google Home, dem “intelligenten Lautsprecher” mit Sprachfunktion. Zwei Ereignisse ohne Zusammenhang? Nein. Beide haben etwas mit Sprachwandel zu tun – dem realen, heutigen, und dem virtuellen, zukünftigen.

Sprachwandel kann viele Ursachen haben: kulturelle Einflüsse, Migration, Sprachkontakt, Medien, Bildungsprozesse oder sprachsystembedingte Faktoren etwa. Der Duden dokumentiert diesen Wandel für den Wortbestand des Deutschen. Die gerade erschienene 27. Auflage dieses Wörterbuchs, dessen Verlag “Bibliografisches Institut” inzwischen zur Cornelsen-Gruppe gehört, hat eine große Welle in den Medien nach sich gezogen mit den 5.000 Wörtern, die neu aufgenommen wurden. Gleichzeitig sind auch viele Wörter gegenüber der 26. Auflage verschwunden, “Jahr-2000-fähig” etwa. Bei manchen Wörtern ändern sich auch die Angaben zur Deklination oder Konjugation, zum Kasus, den ein Wort von einem anderen fordert, oder zur Bedeutung. All das lässt den kontinuierlichen Wandel, dem jede Sprache unterliegt, erkennbar werden, zumindest den Teil des Sprachwandels, der sich im Wortgebrauch manifestiert. Wandel im Bereich der Grammatik und der Sprachverwendung ist schwerer und vor allem nur langfristiger beizukommen. Aber auch diesen gibt es heute – die Diskussion um das “Kiezdeutsch”, das die Potsdamer Germanistin Heike Wiese in ihrem gleichnamigen Buch beschrieben hat (“Machst du rote Ampel!”), hat sich um diese Ebenen des Sprachsystems gedreht.

Sprachwandel nach der 4. Revolution

Bislang war der Sprachwandel immer von Menschen herbeigeführt worden, manchmal bewusst durch Sprachkritiker oder Grammatiker, zumeist jedoch unbewusst infolge unzähliger Kommunikationsereignisse in einer Sprachgemeinschaft und im Kontakt mit anderen Sprachgemeinschaften. Erstmals jedoch wird seit einigen Jahren die menschliche Sprache auch von Maschinen genutzt, Google Home ist dafür ebenso ein Beispiel wie das Gerät Echo von Amazon, Microsofts Cortana oder die vielen anderen mündlichen und schriftlichen Sprachautomaten, die es inzwischen gibt. Der Informationsphilosoph Luciano Floridi ist der Meinung, dass mit der Digitalisierung eine vierte kulturelle Revolution einhergeht, die das Selbstverständnis des Menschen so grundlegend wandeln wird wie schon die drei Revolutionen zuvor: die Kopernikanische Revolution, nach der sich der Mensch auf seiner Erde nicht mehr im Zentrum des Universums sehen kann; die Darwin-Revolution, die dem Menschen auch seine Sonderstellung in der Natur genommen hat; und die Revolution, die sich mit Freud, der Verhaltenspsychologie und den Neurowissenschaften verbindet. Mit dieser Revolution ist dem Mensch auch die Hoffnung genommen worden, zumindest der Herrschaft im eigenen Oberstübchen innezuhaben, seine Psyche und seine Handlungen also vollständig durch Introspektion verstehen zu können. Nach der vierten Revolution schließlich, der der intelligenten Maschinen, wird dem Menschen nun auch noch das letzte Bisschen seines humanen Selbstverständnisses genommen, seine Intelligenz, und mit ihr die verschiedenen Ausprägungen intelligenten Verhaltens, etwas das Kommunizieren in natürlicher Sprache.

Vier Konstellationen der Einflussnahme

Wenn nun also nicht mehr nur Menschen in natürlicher Sprache kommunizieren, sondern auch Maschinen mit dem Menschen und womöglich sogar Maschinen untereinander, stellt sich die Frage, wie sich dies langfristig auf den Sprachwandel auswirken mag. Ich meine, dass es vier verschiedene Konstellationen zu beachten gilt:

  1. Unterstützte menschliche Kommunikation:
    Dies ist schon heute beim Schreiben auf Smartphones weit verbreitet. Der Rechner macht Wortvorschläge, entweder zur Vervollständigung einer Zeichensequenz oder für das nächste Wort im Text. Damit wird ein Bias zur Verwendung bestimmter Wörter erzeugt und zur Nicht-Verwendung anderer. Wörter, die nicht im Smartphone-Wörterbuch enthalten sind, werden möglicherweise tendenziell vermieden, genauso wie grammatische Konstruktionen, die von einem System nicht durch Wortvorschläge unterstützt werden.
    Was wir bislang beim Tippen auf Smartphones erleben, dürfte beim unterstützten Schreiben erst der Anfang sein. Microsoft etwa arbeitet an Systemen, die das Schreiben in einer Fremdsprache unterstützen oder Umformulierungen vorschlagen. Ist so etwas erst einmal in Word & Co. integriert, dürfte eine Auswirkung auf die Schriftsprache offensichtlich werden. Schon heute sind gewisse Folgen der Computer-vermittelten Kommunikation festzustellen, wie etwa Christa Dürscheid und Karina Frick in ihrem Buch “Schreiben digital” zeigen.
  2. Kommunikation mit virtuellen Systemen:
    Damit sind Systeme wie das neue Google Home, Amazon Echo oder Microsoft Cortana gemeint. Derartige Systeme verfügen bislang über eine Sprachkompetenz, die nicht situationsbezogen ist. Dies betrifft sowohl die wahrnehmbare Situation, in der kommuniziert wird (was einen gerade umgibt), als auch die diskursive Situation (was bereits vorher gesagt worden ist). Trotzdem prägen auch diese Systeme die Kommunikation mit dem Menschen, und zwar im umgekehrten Sinne: Bauen wir nämlich Erfahrung darin auf, was solche Systeme verstehen (im lexikalischen und grammatischen Sinne), dann stellen wir uns nach und nach darauf ein – so sind wir Menschen nun einmal gestrickt. Bestimmte Wörter und Konstruktionen meiden wir, andere benutzen wir bevorzugt. Dadurch wird beim Menschen eine kognitive Verstärkung bewirkt, die man Entrenchment nennt. Und diese wiederum bewirkt längerfristig einen sprachlichen Wandel.
    Zwar dürfte all das noch keine Rolle spielen mit den paar sprachfähigen Geräten, die uns demnächst umgeben werden. Wenn man aber bedenkt, dass vor gerade einmal zehn Jahren das iPhone als erstes Smartphone im heutigen Sinne auf den Markt gekommen ist, vermag ich mir nicht vorzustellen, was mit virtuellen sprachlichen Systemen in zehn Jahren alles möglich sein wird.
  3. Kommunikation mit intelligenten Robotern:
    Auch wenn dies immer noch besonders futuristisch erscheint, so handelt es sich dabei doch um eine Computerlinguistik-Anwendung, an der seit mehr als 40 Jahren gearbeitet wird. Schon bei den ersten halbwegs intelligenten Robotern, ob real oder simuliert (etwa Shakey oder SHRDLU), war eine natürlichsprachliche Schnittstelle integraler Bestandteil. Ganz anders als bei virtuellen Systemen sind Roboter in eine reale Situation eingebettet, müssen sehen und agieren können, was sich auch in der Sprachnutzung niederschlägt. Idealerweise sollten intelligente Roboter auf kurze Hinweise und Anweisungen reagieren können, was die Sprachnutzung im Handlungszusammenhang beeinflusst. Sind wir erst einmal von Servicerobotern im Alltag umgeben, dürfte daraus ein spezifischer sprachlicher Anweisungsstil, womöglich ein moderner “Sklavenhalterstil” hervorgehen, wie ihn Menschen untereinander (hoffentlich) nicht verwenden würden. Auch dies dürfte ein Impuls für einen zumindest partiellen Sprachwandel darstellen.
  4. Kommunikation intelligenter Systeme untereinander:
    Auch für diesen Fall gibt es bereits Erkenntnisse: Vor kurzem ging ein Forschungsbericht durch die Wissenschaftsmedien, in dem es um zwei Software-Agenten der Facebook-Forschung ging, die in natürlicher Sprache miteinander verhandeln können. Eigentlich sollten diese Agenten mit Menschen in Chats interagieren, sie wurden aber testweise auch auf ihresgleichen losgelassen. Da es von den Programmierern versäumt worden war, die Verwendung von wohlgeformtem Englisch bei den sprachlichen Äußerungen zu fixieren, bildeten diese Verhandlungschatbots nach und nach ihre eigene Sprache aus, ohne sich weiter um Grammatik und Lexik der englischen Sprache zu scheren. Aussagen wie “i i can i i i everything else” erhielten dabei eine klare Funktion und Bedeutung, die sich aufgrund des inzwischen erfolgten Abstimmungs- und Lernprozesses der Systeme selbst kaum von ihren Programmierern entschlüsseln ließ.
    Ähnliches hatte bereits vor einigen Jahren der Belgische KI-Forscher Luc Steels erreicht. In seinem “Talking Heads”-Experiment entwickelten Roboter durch verschiedene Sprachspiele ihr eigenes Vokabular und ihre eigene Grammatik. Steels wollte damit auch einen Betrag leisten zum Verständnis der Sprachentwicklung überhaupt, insbesondere zu der klassische Frage, wie sprachliche Symbole ihre intersubjektive Bedeutung erhalten haben.
    Dass die Kommunikation intelligenter System untereinander einmal einen Einfluss auf den Sprachwandel menschlicher Sprachen haben wird, bezweifle ich. Die Betrachtung dieser Art des Sprachwandels aber bildet eine wichtige Quelle zum Verständnis des Sprachwandels in menschlichen Gemeinschaften.

Sprachwandel ist nach einem halben Jahrhundert Abstinenz wieder zu einem großen Thema der Sprachwissenschaft geworden. Anders als früher wird dieser heute anhand großer digitaler Korpora untersucht. Für viele Bereiche der Computer-vermittelten oder Computer-beeinflussten Sprachverwendung existieren allerdings noch keine Referenzkorpora. Es steht zu erwarten, dass wir das Signal der Digitalisierung in der Daten bald deutlicher werden erkennen können.

Beitragsbild: Replikat von Walter Schulze-Mittendorffs Maschinenmensch Maria aus Fritz Langs Film “Metropolis” von 1927 (Ausschnitt). Quelle: WikipediaCC BY-SA 2.0

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Henning Lobin ist seit 2018 Direktor des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim (Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft) und Professor an der dortigen Universität. Zuvor war er ab 1999 Professor für Angewandte Sprachwissenschaft und Computerlinguistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Von 2007 bis 2016 leitete er dort das interdisziplinäre Zentrum für Medien und Interaktivität, in dem die Auswirkungen von neuen Kommunikationsformen auf Wissenschaft, Kultur und Bildung untersucht werden. Seine Forschungsschwerpunkte bilden die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Sprache, Texttechnologie und die multimediale Wissenschaftskommunikation. Gegenwärtig ist er u.a. Mitglied des Fachkollegiums "Sprachwissenschaft" der Deutschen Forschungsgemeinschaft, germanistischer Fachbeiräte von DAAD und Goethe-Institut und des Forschungsbeirats der Stiftung Wissenschaft und Politik. Bei den SciLogs ist Henning Lobin Autor des Blogs "Die Engelbart-Galaxis" und Gast-Autor im Blog "Wissenschaftskommunikation hoch 3" der ACATECH, für die er auch als externer Experte für Fragen der Wissenschaftskommunikation in sozialen Medien fungierte. Lobin ist Autor von sieben Monografien und hat zahlreiche Sammelbände herausgegeben (Bücher bei Amazon, bei Buch.de und im Buchhandel). Zuletzt erschienen: Engelbarts Traum (Campus, 2014, polnische Übersetzung 2017). Im August 2018 ist im Metzler-Verlag erschienen: Digital und vernetzt. Das neue Bild der Sprache.

Der Sprachwandel zeigt sich in verkürzten Sätzen, weggelassenen Präpositionen, in Internetkürzeln.
Das kommt daher, dass die meisten nicht mit 10 Fingern eintippen können und mit nur 2 Fingern zu schreiben, dauert es zu lange. Also opfert man einen korrekten Satz einer verkrüppelten Verkürzung.
Dazu kommen natürlich noch die vielen Fachsubstantive, die man auch noch verbalisiert oder adjektivisiert.

In meinem Umfeld kenne ich kaum jemanden, der mit Siri, Cortana oder Alexa (Amazon) kommuniziert oder auch nur regelmässig Fragen stellt. Und das obwohl ich in einem Informatikumfeld tätig bin. Doch in diesem Umfeld wird heute vor allem getippt und nur wenig gesprochen.
Es hat sicher auch mit Gewohnheiten zu tun. Ich weiss zwar, dass ich Siri einfach diktieren könnte: “Stelle den Wecker auf 7:30”, doch das mache ich bis jetzt manuell und sehe auch keinen Grund, das zu ändern.
In den USA scheint aber beispielsweise Alexa schon eine ansehnliche Benutzergemeinde zu haben. In einer Dokumentation dazu erfuhr ich von einem Altersheim/Pflegeheim in dem Alexa von beispielsweise Sehschwachen/Teilblinden benutzt wird um Informationen über das Wetter und vieles mehr abzufragen oder um sich vorlesen oder alte Hits abspielen zu lassen. Das heisst, solche automatischen Zuhörer und “Versteher” können (Teil-)Behinderungen überwinden helfen.
Menschen ohne Behinderungen benutzen Alexa beispielsweise um sich während des Kochens ein Rezept vorlesen zu lassen oder überhaupt um während des häuslichen Arbeitens Rückfrage- und Unterhaltungsmöglichkeiten zu haben. Es braucht dann keine Tastatur, keine PC zu dem man laufen muss, sondern man frägt während des Kochens, Putzens, etc. Alexa, damit sie einem Hilfestellung gibt oder einen mit Musik, dem Wetterbericht unterhält oder damit es einen mit einem Bekannten telephonisch verbindet.

Doch von zwischenmenschlicher Kommunikation ist auch Alexa noch meilenweit entfernt. Das Sprachverständnis all dieser zuhörenden Assistenten ist sehr beschränkt.

@ Herr Holzherr :

Die “Pflegerobbe” Paro nicht zu vergessen, oder Eliza; helfen tut hier wohl entscheidend nur die Demenz, Abnehmerzufriedenheit meinend.

Insgesamt nerven den Schreiber dieser Zeilen, den Webbaer, auch Erfolgsmeldungen zunehmend ab, er ist vor vielen Jahren selbst ein wenig, auch im SciFi-Kontext, womöglich hat niemand mehr technische SciFi der Sechziger gelesen, als jemand, der jetzt noch lebt, irritiert worden.

Auch hier – ‘Nach der vierten Revolution schließlich, der der intelligenten Maschinen, wird dem Menschen nun auch noch das letzte Bisschen seines humanen Selbstverständnisses genommen, seine Intelligenz, und mit ihr die verschiedenen Ausprägungen intelligenten Verhaltens, etwas das Kommunizieren in natürlicher Sprache.’ – weiß Dr. Webbaer nicht so recht, ‘das letzte Bisschen seines humanen Selbstverständnisses’, tsk, tsk…

Marketing, es müsste Marketing vorliegen, die AI hat keineswegs derart, auch bei stark zunehmender CPU-Leistung, in den letzten Jahrzehnten derart geleistet, wie einstmals versprochen, und sie scheint nicht dabei zu sein, dies zukünftig zu tun, wie später versprochen.

Die Grenzen der Welten sind halt unüberwindbar, “Paro 3.0” wird ein schlaues Kerlchen sein, auch womöglich sehr putzig, aber doch ganz primär in seiner Welt unterwegs.
In puncto Linguistik wird hier Honig zu saugen sein, den teils auch sprachlich minderbemittelten hier gemeinten Primaten sozusagen bestmöglich zu unterstützen; Gegner dieser Entwicklung ist Dr. Webbaer selbstverständlich nicht.
Jede “Pflegerobbe” könnte die letzte sein.

MFG
Dr. Webbaer

Die “Drei Revolutionen” des hier gemeinten Primaten, sind dem Schreiber dieser Zeilen als die der Schrift, die des Buchdrucks und die der netzwerkbasierten (auch : globalen) Kommunikation, als die des “Webs” bekannt.

Inwieweit subordinierter Sprachmissbrauch, sog. Kiezdeutsch beispielsweise, hier hinein spielt, “Isch gehen Döner” hier als Exempel, sollen andere beurteilen, gerne auch “hypen”, wenn ihnen danach ist.

Ansonsten, vgl. mit ‘i i can i i i everything else’, der Webbaer hat sich einige Texte zu dieser Sache durchgelesen, darf womöglich auch hier gehofft werden, von anderen, dass sich auch die Sprache der AI günstig und vor allem auch : divers entwickelt.
(Der Webbaer ist sich sicher, dass Sätze, wie die zitierten, die auf ein ‘I i i i i i i i i i i i i i i i i i i I i i i i i i i i i i i i i i i i i i’, also bildlich gesprochen vierzigfach auf ein ‘I’ hinaus laufen, nicht allzu viel Semantik transportieren werden. – Womöglich hapert es hier i.p. AI ein wenig und besonderes Erkennen muss nicht vermutet werden; medienwirksam war’s natürlich schon, aber derartige Gags der AI bereichern die Nachrichtengebung bereits seit geraumer Zeit. Vielleicht wissen Sie genau hierzu mehr, lieber Herr Dr. Lobin; dies dann auch gerne substanziiert beibringen, hier, womöglich.)


Ansonsten, die Sprache entwickelt sich sozusagen in atemberaubenden Tempo, jeden Tag werden neue Wörter erfunden, sinnhafterweise, die “Eingabehilfen” schaden keineswegs, und der Schreiber dieser Zeilen kann sich auch vorstellen, dass zwischen Maschinen Geteiltes auch bspw. der menschlichen Sprache ähnlich, in Form sogenannter XML-Dokumente, mehr und mehr stattfinden wird, also durchaus der menschlichen Sprache ähnlich.

Wobei die Maschinen die Welt verstehen müssten, was für sie nicht geht, jedenfalls nicht so wie im von dem hier gemeinten Primaten gemeinten Sinne; allerdings ist die Humansprache womöglich auch, wegen ihren Dichte i.p. Inhalt, für die Automaten geeignet, selbst wenn sie sie nicht verstehen.

MFG + schönes Wochenende schon einmal,
Dr. Webbaer

Zur (Zitat) Kommunikation mit intelligenten Robotern und zur (Zitat) Kommunikation intelligenter Systeme untereinander
Für die heutige Generation von Haushaltsrobotern wie Roomba, dem Staubsaugerroboter oder Mäh- und Gartenrobotern ist die Kommunikation heute auf das Abstecken der Arbeitsfläche durch den Besitzer beschränkt. Diese Roboter für den Hausgebrauch sind heute nicht humanoid. In der nahen Zukunft könnten sich solche Haushaltshilfen ähnlich wie Haustiere einweisen lassen – also durch Gesten, Fingerzeig etc.
Staubsauger, Garten- und Mähroboter sind heute meist auf Karten ihrer Arbeitsumgebung angewiesen. Allerdings erstellen sie diese Karten selber. Und iRobot, der Hersteller von Roomba denkt daran, die dabei erhobenen Daten an andere Firmen weiterzugeben, die im Umfeld des Smart Home anzusiedeln sind So sieht also die Kommunikation intelligenter Systeme untereinandern heute aus: es werden Kundendaten untereinander ausgetauscht um weitere Produkte zu unterstützen.

Das EU-Projekt Companions for Seniors Citizens geht in der Mensch-Maschinenkommunikation wesentlich weiter will es doch älteren Menschen den
1) Zugang zu den Internetdienstleistungen über eine Art Internet-Assistent erleichtern – einen Internet-Assistenten, der weiss wie man Internetdienste anspricht und der vom Benutzer sprachliche Befehle akzeptiert.
2) älteren Menschen durch den Alltag helfen (Getränke einschenken und servieren, etc)

Vor allem 2) scheint mir sehr ambitioniert und heute wohl noch nicht alltagstauglich.

Vortrag am Donnerstag in der Digital Eatery: der Gutenberg-Editor

Digital Eatery, Unter den Linden 17, Donnerstag 19 Uhr im Rahmen des WordPress Meetup Berlin gibts nen Vortrag von Maja Benke über den neuen Editor für WordPress: Gutenberg.

Gutenberg

Description

Gutenberg is more than an editor. While the editor is the focus right now, the project will ultimately impact the entire publishing experience including customization (the next focus area).

Discover more about the project.

Editing focus

The editor will create a new page- and post-building experience that makes writing rich posts effortless, and has “blocks” to make it easy what today might take shortcodes, custom HTML, or “mystery meat” embed discovery. — Matt Mullenweg

One thing that sets WordPress apart from other systems is that it allows you to create as rich a post layout as you can imagine — but only if you know HTML and CSS and build your own custom theme. By thinking of the editor as a tool to let you write rich posts and create beautiful layouts, we can transform WordPress into something users love WordPress, as opposed something they pick it because it’s what everyone else uses.

Gutenberg looks at the editor as more than a content field, revisiting a layout that has been largely unchanged for almost a decade.This allows us to holistically design a modern editing experience and build a foundation for things to come.

Here’s why we’re looking at the whole editing screen, as opposed to just the content field:

  1. The block unifies multiple interfaces. If we add that on top of the existing interface, it would add complexity, as opposed to remove it.
  2. By revisiting the interface, we can modernize the writing, editing, and publishing experience, with usability and simplicity in mind, benefitting both new and casual users.
  3. When singular block interface takes center stage, it demonstrates a clear path forward for developers to create premium blocks, superior to both shortcodes and widgets.
  4. Considering the whole interface lays a solid foundation for the next focus, full site customization.
  5. Looking at the full editor screen also gives us the opportunity to drastically modernize the foundation, and take steps towards a more fluid and JavaScript powered future that fully leverages the WordPress REST API.

Blocks

Blocks are the unifying evolution of what is now covered, in different ways, by shortcodes, embeds, widgets, post formats, custom post types, theme options, meta-boxes, and other formatting elements. They embrace the breadth of functionality WordPress is capable of, with the clarity of a consistent user experience.

Imagine a custom “employee” block that a client can drag to an About page to automatically display a picture, name, and bio. A whole universe of plugins that all extend WordPress in the same way. Simplified menus and widgets. Users who can instantly understand and use WordPress — and 90% of plugins. This will allow you to easily compose beautiful posts like this example.

Check out the FAQ for answers to the most common questions about the project.

Compatibility

Posts are backwards compatible, and shortcodes will still work. We are continuously exploring how highly-tailored metaboxes can be accommodated, and are looking at solutions ranging from a plugin to disable Gutenberg to automatically detecting whether to load Gutenberg or not. While we want to make sure the new editing experience from writing to publishing is user-friendly, we’re committed to finding a good solution for highly-tailored existing sites.

The stages of Gutenberg

Gutenberg has three planned stages. The first, aimed for inclusion in WordPress 5.0, focuses on the post editing experience and the implementation of blocks. This initial phase focuses on a content-first approach. The use of blocks, as detailed above, allows you to focus on how your content will look without the distraction of other configuration options. This ultimately will help all users present their content in a way that is engaging, direct, and visual.

These foundational elements will pave the way for stages two and three, planned for the next year, to go beyond the post into page templates and ultimately, full site customization.

Gutenberg is a big change, and there will be ways to ensure that existing functionality (like shortcodes and meta-boxes) continue to work while allowing developers the time and paths to transition effectively. Ultimately, it will open new opportunities for plugin and theme developers to better serve users through a more engaging and visual experience that takes advantage of a toolset supported by core.

Contributors

Gutenberg is built by many contributors and volunteers. Please see the full list in CONTRIBUTORS.md.

FAQ

How can I send feedback or get help with a bug?

We’d love to hear your bug reports, feature suggestions and any other feedback! Please head over to the GitHub issues page to search for existing issues or open a new one. While we’ll try to triage issues reported here on the plugin forum, you’ll get a faster response (and reduce duplication of effort) by keeping everything centralized in the GitHub repository.

How can I contribute?

We’re calling this editor project “Gutenberg” because it’s a big undertaking. We are working on it every day in GitHub, and we’d love your help building it.You’re also welcome to give feedback, the easiest is to join us in our Slack channel, #core-editor.

See also CONTRIBUTING.md.

Where can I read more about Gutenberg?

Reviews

Gutenberg is, well, HORRIBLE!

Look, I've used WordPress for many years, and never ever had a problem with the editor - until now. Gutenberg is arguably the worst editor I've ever seen. While it's intent is noble, the execution is pathetic. Trying to write a blog is impossible - seriously. I can't access the blocks below a certain space, and there is seemingly no way to get to them. It's obvious I'm missing something, but having been at this a few years, it shouldn't be so difficult to figure this editor out. In the meantime, I've transitioned to blogging via LinkedIn and Facebook, dropping WordPress until I find a way out of Gutenberg hell! I'd appreciated any hints on how to make this editor work. I use OptimizePress's Smartheme, if that will help.

Overly complex and not intuitive

I don't know why they choose this Plugin as default editor, but when I showed it to the people who should use it they didn't want me to update. Lucky for me I test WordPress updates always on a Local-Test-Server so I just didn't bother with that editor in the live environment. But when I was playing around with that thing it felt not really intuitive, why fix was was not broken. I've seen this a lot on many projects/websites these days. It's trendy to make things more difficult. I always though Software should make the life more easy instead of getting you more work? It should not be rocket since to write something with some basic formatting. I mean when its more easy to write it in plain HTML, then something went really wrong Now I installed the Disable-Gutenberg Plugin and everything is like before!^-^

Real world usage…

The UI for the plugin is a nightmare, for instance, I find myself mousing over several areas of the block UI elements to find the block configure/options menu. I have no clue where things are. This plugin component has potential but the UI/UX just needs to trashed and redone, by a different designer.

Serves no useful purpose…

...other than to frustrate. The Dashboard admin menu and Appearance > Menus still 'work' almost exactly as on day one, have basically become a UX nightmare, but 'berg' made it to the front of the line. So they tried to implement something that has been done so much better 100+ times over instead of updating core mechanics. Well, kudos to the authors of all those 'disable' Gutenberg plugins. You are my heroes.

Why???

I am not a developer. I am not a coder. I am simply a person who has and maintains their own sites, and on occasion puts up and maintains the sites of others. As soon as I updated my test site to Gutenberg, I was immediately completely unable to figure out how to manage the site that I have successfully looked after for 10+ years. Thanks WordPress. Gutenberg Sucks. Big time. Now I"m dependant on yet another plugin to keep my site functioning. I also have to worry about that plugin developer abandoning their plugin, or deciding to charge for it. Or perhaps it becoming incompatible with another WP update in the future. I don't know who the mastermind was who came up with this brainchild, but like when NGG was sold years ago, this is an epic fail. Paint me disillusioned and dissatisfied.
Read all 2,563 reviews

Contributors & Developers

“Gutenberg” is open source software. The following people have contributed to this plugin.

Contributors

“Gutenberg” has been translated into 44 locales. Thank you to the translators for their contributions.

Translate “Gutenberg” into your language.

Interested in development?

Browse the code, check out the SVN repository, or subscribe to the development log by RSS.

Changelog

Bug fixes in 5.1.1:

  • Fixes a Firefox regression causing block content to be deleted.

Features:

  • Add a new Search block.
  • Add a new Calendar block.
  • Add a new Tag Cloud block.

Enhancements:

  • Add micro-animations to the editor UI:
    • Opening Popovers.
    • Opening Sidebars.
  • Restore the block movers for the floated blocks.
  • Consistency in alignment options between archives and categories blocks.
  • Set the minimum size for form fields on mobile.
  • Disable the block navigation in the code editor mode.
  • Consistency for the modal styles.
  • Improve the FormToggle styling when used outside of WordPress context.
  • Use the block icons in the media placeholders.
  • Fix rounded corners for the block svg icons.
  • Improve the CSS specificity of the paragraph block styles.
  • Require an initial click on embed previews before being interactive.
  • Improve the disabled block switcher styles.
  • Do not split paragraph line breaks when transforming multiple paragraphs to a list.
  • Enhance the Quote block styling for different text alignments.
  • Remove the left padding from the Quote block when it’s centered.
  • A11y:
    • Improve the permalink field label.
    • Improve the region navigation styling.
  • Remove the 3 keywords limit for the block registration.
  • Add consistent background colors to the hovered menu items.
  • Allow the editor notices to push down the content.
  • Rename the default block styles.

Bug Fixes:

  • Fix a number of formatting issues:
    • Multiple formats.
    • Flashing backgrounds when typing.
    • Highlighted format buttons.
    • Inline code with backticks.
    • Spaces deleted after formats.
    • Inline boundaries styling issues.
    • Touch Bar format buttons.
  • Fix a number of list block writing flow issues:
    • Allow line breaks in list items.
    • Empty items not being removed.
    • Backspace merging list items.
    • Selecting formats at the beginning of list items.
  • Fix the color picker styling.
  • Set default values for the image dimensions inputs.
  • Fix sidebar panels spacing.
  • Fix wording of the nux tip nudging about the sidebar settings.
  • Fix the translator comments pot extraction.
  • Fix the plugins icons color overriding.
  • Fix conflicting notices styles when using editor styles.
  • Fix controls recursion in the redux-routine package.
  • Fix the generic embed block when using Giphy as provider.
  • Fix the i18n message used in the Gallery block edit button.
  • Fix the icon size of the block switcher menu.
  • Fix the loading state of the FlatTermSelector (tags selector).
  • Fix the embed placeholders styling.
  • Fix incorrectly triggered auto-saves for published posts.
  • Fix missing classname in the Latest comments block.
  • Fix HTML in shortcodes breaking block validation.
  • Fix JavaScript errors when typing quickly and creating undo levels.
  • Fix issue with mover colors in dark themes.
  • Fix internationalisation issue with permalink slugs.

Various:

  • Implement the inline format boundaries without relying on the DOM.
  • Introduce the Registry Selectors in the data module.
  • Introduce the Registry Controls in the data module.
  • Allow extending the latest posts block query by using get_posts.
  • Extend the range of allowed years in the DateTime component.
  • Allow null values for the DateTime component.
  • Do not render the FontSizePicker if no sizes defined.
  • Add className prop support to the UrlInput component.
  • Add inline image resizing UI.

Chore:

  • Update lodash and deasync dependencies.
  • Use addQueryArgs consistently to generate WordPress links.
  • Remove merged PHP code (partial).
  • Disable CSS animations in e2e tests.
  • Add ESLint rules to:
    • ensure the consistency of the import groups.
    • protect against invalid sprintf use.
  • Add e2e tests for tags creation.
  • Add the feature flags setup.
  • Implement block editor styles using a filter.

Documentation:

  • Add a new tutorial about the editor notices.
  • Add JavaScript build tools documentation.
  • Enhance the block’s edit/save documentation and code examples.
  • Add e2e test utils documentation.

Mobile:

  • Add bottom sheet settings for the image block.
  • Implement the media upload options sheet.
  • Implementing Clear All Settings button on Image Settings.
  • Avoid hard-coded font family styling for the image blocks.
  • Improve the post title component.
  • Fix the bottom sheet styling for RTL layouts.
  • Support the placeholder prop in the RichText component.